Teil V – Der eigene Weg

Kapitel 12 – Pirats ist nicht nur ein Name

Pirats of Croatia begann nicht mit einem Geschäftsplan.

Es begann mit einem Satz.

„Nächstes Jahr kommen wir mit dem Boot.“

Dann kam das erste Charterboot.

Medulin.

Novalja.

Delfine.

Die Heimfahrt.

Und irgendwann die Idee:

Das solltest du öfter machen.

Dann brauchte die Sache einen Namen.

Pirats of Croatia.

Ohne E.

Mit Totenkopf.

Eine Facebook-Seite.

Ein paar Bilder.

Und zunächst ziemlich wenig Reaktion.

Wenn ich heute darauf zurückblicke, gefällt mir genau dieser Anfang. Nicht weil alles sofort funktioniert hätte. Sondern weil es das nicht tat.

Pirats musste wachsen.

Langsam.

Erst mit Menschen, die ich kannte.

Dann mit Menschen, die ich vorher nie gesehen hatte.

Irgendwann stand nicht mehr nur die Frage im Raum:

Wer von meinen Freunden hat nächste Woche Zeit?

Fremde meldeten sich.

Menschen, die mir eine Woche ihres Urlaubs anvertrauten.

Und auf dem Boot irgendwann auch einen Teil ihrer Sicherheit.

Damit verändert sich eine Idee. Pirats war nicht mehr nur das, was ich selbst darin sah. Es wurde auch das, was andere an Bord erlebten.

Für einen ist es die erste Nacht vor Anker.

Für jemand anderen ein Delfin.

Eine Bucht.

Ein Abend in einer Konoba.

Ein Manöver.

Eine Welle, die größer aussieht als gewünscht.

Oder einfach eine Woche, die anders war als der Alltag.

Nicole ist dafür ein gutes Beispiel.

Sie wurde nach ihrem Törn nicht zur begeisterten Seglerin.

Trotzdem erzählt sie bis heute von den Rehen.

Von den Spinnen.

Von Osor.

Pirats muss nicht bedeuten, dass jeder anschließend dasselbe im Segeln sieht wie ich. Jeder darf etwas Eigenes mitnehmen. Vielleicht ist genau das wichtig.

Auch Andi kam nicht in meine Geschichte, weil ich ihn gesucht hatte.

Er schrieb mir.

Er hatte Lady Cordula.

Wir gingen gemeinsam segeln.

Daraus entstand eine Zusammenarbeit.

Wieder kein großer Masterplan.

Ein Kontakt.

Eine Woche.

Vertrauen.

Dann ein nächster Schritt.

Wenn ich nie mit dem ersten Charterboot nach Novalja gefahren wäre, hätte es Pirats nicht gegeben. Ohne Pirats hätte mich Andi wahrscheinlich nie angeschrieben. Ein Schritt verändert die Möglichkeit für den nächsten. Das gefällt mir an dieser Geschichte.

Natürlich besteht Pirats nicht nur aus schönen Bildern.

Es besteht auch aus Versicherungen.

Crewlisten.

Charter.

Lebensmitteln.

Bordkasse.

Wetter.

Routen.

Homepage.

Werbung.

Anfragen.

Absagen.

Nachrichten.

Fragen.

Vorbereitung.

Manchmal besteht Pirats deutlich mehr aus Telefon und Computer als aus Segeln. Auch das gehört dazu.

Aber wenn eine Crew schließlich an Bord steht und wir ablegen, weiß ich wieder, warum ich den ganzen anderen Teil mache.

Pirats ist für mich deshalb inzwischen weniger ein Name als eine Sammlung von Geschichten. Und diese Sammlung ist noch nicht fertig.

Alle Teile und Kapitel
  1. Prolog – Ich bin noch unterwegs
  2. Teil I – Bevor das Meer zurückkam
  3. Kapitel 1 – Das will ich auch machen
  4. Kapitel 2 – Wieder auftauchen
  5. Teil II – Nächstes Jahr kommen wir mit dem Boot
  6. Kapitel 3 – Leinen los
  7. Kapitel 4 – Aus einem Törn wird Pirats
  8. Teil III – Menschen an Bord
  9. Kapitel 5 – Wenn Fremde an Bord kommen
  10. Kapitel 6 – Nicole kommt mit
  11. Teil IV – Zwischen Lift und Meer
  12. Kapitel 7 – Die Pirats-Leggings
  13. Kapitel 8 – Da gehöre ich hin
  14. Kapitel 9 – Wenn das Glück auf einen zukommt
  15. Kapitel 10 – Die erste Woche auf Lady Cordula
  16. Teil V – Der eigene Weg
  17. Kapitel 11 – Zwischen Tirol und Kroatien
  18. Kapitel 12 – Pirats ist nicht nur ein Name
  19. Kapitel 13 – Nicht alles muss sofort Sinn ergeben
  20. Kapitel 14 – Der Traum von der Welt
  21. Kapitel 15 – Noch unterwegs
  22. Epilog – Noch nicht angekommen
  23. Über Martin Singer
  24. Pirats of Croatia
  25. Bildnachweise
  26. Impressum / Versionsangabe