Teil V – Der eigene Weg
Kapitel 13 – Nicht alles muss sofort Sinn ergeben
Wenn ich meinen bisherigen Weg als saubere Linie erzählen wollte, müsste ich ziemlich viel erfinden.
Automechanikerlehre.
Bäcker.
Lift.
Lkw.
Familie.
Network Marketing.
Betonwerk.
Wieder Lkw.
Scheidung.
DJ.
Tauchen.
Kitesurfen.
Kroatien.
Segeln.
Pirats.
Lady Cordula.
Auf einer Liste sieht das nicht unbedingt nach einem besonders konsequenten Lebensplan aus.
Vielleicht war es auch keiner.
Früher hätte mich stärker beschäftigt, ob all diese Stationen irgendwann einen gemeinsamen Sinn ergeben müssen. Heute sehe ich das entspannter. Manche Dinge waren für ein paar Jahre wichtig. Dann nicht mehr. Das macht sie nicht wertlos.
Das Tauchen führte nicht direkt zu Pirats. Meine Zeit als DJ ebenfalls nicht. Kitesurfen war kein geheimer Vorbereitungskurs fürs Segeln. Und trotzdem gehört alles zu meiner Geschichte.
Beim Tauchen zog mich das Wasser zurück.
Beim DJing lernte ich, Menschen und Stimmungen zu lesen.
Beim Kitesurfen kam wieder Wind dazu.
Manches blieb.
Manches verschwand.
Und manches tauchte Jahre später in einer anderen Form wieder auf.
Ich habe auch gelernt, dass Selbstsicherheit nicht überall gleich funktioniert. Man kann in einem Bereich Verantwortung übernehmen und sich in einem anderen von etwas völlig Banalen bremsen lassen.
Bei mir reichte dafür zeitweise eine Leggings und die Frage:
Was denken die Leute?
Heute kann ich darüber lachen. Damals war die Frage real. Vielleicht sind genau solche kleinen Dinge manchmal ehrlicher als die großen. Sie zeigen, wie leicht man Erwartungen übernimmt, ohne überhaupt zu wissen, wer sie aufgestellt hat.
Natürlich bedeutet „den eigenen Weg gehen“ nicht, jede Grenze zu ignorieren.
Geld bleibt Geld.
Gesundheit bleibt Gesundheit.
Verantwortung bleibt Verantwortung.
Sicherheit bleibt Sicherheit.
Andere Menschen verschwinden nicht nur deshalb, weil man selbst einen Traum hat. Aber innerhalb dieser Realität gibt es oft mehr Möglichkeiten, als man zuerst glaubt. Das habe ich bei Pirats erlebt.
Ein Törn voll.
Ein anderer nicht.
Eine Zusage.
Eine Absage.
Werbung.
Homepage.
Lift.
Kroatien.
„Immer dieses Auf und Ab.“
Und trotzdem weiter.
Nicht weil ich wusste, dass am Ende alles funktionieren würde.
Sondern weil ich wissen wollte, was daraus werden kann.
Vielleicht ist genau das mein roter Faden.
Nicht ein Beruf.
Nicht ein Ort.
Nicht einmal das Segeln allein.
Eher die Neugier auf den nächsten Abschnitt.
Manchmal wusste ich erst hinterher, welcher kleine Schritt tatsächlich wichtig gewesen war.