Teil V – Der eigene Weg
Kapitel 14 – Der Traum von der Welt
Irgendwann kam der Gedanke an eine Weltumsegelung.
Natürlich.
Wenn man lange genug von Segelbooten spricht, landet man gedanklich irgendwann bei der Frage:
Wie wäre es, einfach weiterzufahren?
Nicht nach einer Woche zurück in die Charterbasis.
Nicht Samstagmorgen auschecken.
Nicht das Boot abgeben.
Einfach weiter.
Adria.
Mittelmeer.
Atlantik.
Und irgendwann vielleicht Orte, die für mich heute nur Namen auf einer Karte sind.
Der Gedanke gefällt mir.
Sonst wäre er nicht geblieben.
Früher sah ich darin wahrscheinlich vor allem Freiheit.
Heute sehe ich zusätzlich die Arbeit.
Ein Boot braucht Wartung.
Reparaturen.
Geld.
Technik.
Versicherungen.
Ersatzteile.
Wetterplanung.
Und weit weg von zuhause löst nicht jedes Problem jemand in einer Marina. Je mehr ich übers Segeln gelernt habe, desto weniger romantisch wurde die Vorstellung. Seltsamerweise machte das den Traum nicht kleiner. Nur ehrlicher.
Ich weiß nicht, ob ich jemals um die Welt segeln werde. Das ist kein künstlich offengelassener Satz für ein schönes Buchende. Ich weiß es tatsächlich nicht.
Vielleicht entsteht irgendwann die Möglichkeit. Vielleicht verändern sich meine Wünsche. Vielleicht wird etwas anderes wichtiger. Vielleicht bleibt die Weltumsegelung ein Gedanke. Auch das wäre kein Scheitern.
Nicht jeder Traum braucht einen Projektplan. Manche Träume zeigen nur eine Richtung.
Für mich sagt dieser vor allem:
Ich möchte noch nicht fertig sein.
Ich möchte noch etwas sehen.
Noch etwas lernen.
Noch irgendwo ankommen, wo ich vorher nicht war.
Ein Kurs ist wichtig.
Aber jeder Skipper weiß, dass ein Kurs geändert werden kann.
Nicht ziellos.
Aber beweglich.
Damit kann ich leben.